Donnerstag, 3. August 2017

Dienstag, 1. August 2017 – vierter Tag



Dienstag, 1. August 2017 – vierter Tag

Tagwache um 3 Uhr morgens. Wir dürfen den Bus den Bus um 4 Uhr nach Arusha nicht verpassen. Wenn wir von Bus reden, meinen wir damit einen Van mit 20 Sitzen, aus dem afrikanische Hip Hop Musik zu hören ist. Unsere Fahrt nach Arusha dauert ca. drei Stunden, im Bus herrscht lustiges Treiben, die Passagiere kommen und gehen. Mit dem Sonnenaufgang um 7 Uhr kommen wir an unserem Ziel an. Einquartiert sind wir bei Mackrine, der leiblichen Schwester von Sr. Betty. Schnell finden wir heraus, dass wir nicht die einzigen Gäste sind. Denn Mackrine beherbergt ebenfalls zehn holländische Voluntäre, die sich bei verschiedenen Sozialprojekten engagieren. Unter anderem bei der von Mackrine gegründeten Organisation „HIMS – Health integrated multisectoral services“, die versucht, die Lebenssituation von Maasai-Frauen zu verbessern.

Morning call at 3 in a.m. We must not miss the bus to Arusha at 4 o’clock. When we mention this bus, we mean a van with twenty seats from which you can hear African hip hop music. Our drive to Arusha takes ca. three hours, the atmosphere in the bus is amusing, the passengers come and go.
With the dawn at 7 in the morning we finally reach our destination. We are kindly invited to live in Mackrine’s house, she is the sister of Sister Betty. Soon we discover that we are not the only guests. Mackrine is also hosting ten volunteers from the Netherlands, who work at different social projects.
Among others at the organisation “HIMS – Health integrated miltisectoral services”, founded by Mackrine, which tries to improve the living situation of Maasai women.

Zuerst steht ein Marktbesuch auf dem Programm. Sr. Betty meint, dass wir unbedingt eines der landestypischen Tücher „Chakka“ „Shuka“ kaufen sollten. Dann machen wir uns auf dem Weg.

First a visit of the market is on our program. Sister Betty wants us to buy for Tanzania typical cloths which are called “Chakka” and “Shuka”. Afterwards we get into the car.

Zwei Autostunden außerhalb der Stadt treffen wir auf eine Gruppe Maasai-Frauen. – Die Maasai sind ein afrikanischer Stamm, der sich von den Entwicklungen des 21. Jahrhunderts kaum beeinflussen ließ und noch immer so lebt wie in früheren Zeiten. Die Frauen treffen sich heimlich, da das Ziel dieser Zusammenkünfte die Emanzipation der Frauen ist, wovon ihre Ehemänner nichts erfahren dürfen. In einem sehr persönlichen Gespräch erzählen uns die Frauen von ihrem Leben in Unterdrückung und Traditionen gegen die sie zu kämpfen haben. Die Vertrautheit kam zustande, weil Mackrine schon seit 20 Jahren mit ihnen zusammenarbeitet und das Gespräch geführt hat.

Two hours away from the city we meet a group of Maasai women. The Maasai are an African tribe, which was not influenced by the developments of the 21st cedntury and still lives like in former times.
The women meet in secret, since the goal of these meetings is the emancipation of women, which their husbands are not allowed to know. In a very personal conversation the women tell us about their lives under oppression and the traditions which they have to fight against. The trust comes from the relationship between Mackrine and the Maasai, who have been working together for 20 years.

Als wir uns vorstellen, sind die Frauen sehr überrascht, dass Julia mit 18 Jahren weder Ehemann noch Kind hat. Bei ihnen ist es üblich als junge Teenager verheiratet zu werden und Kinder zu bekommen. Dies geschieht jedoch keineswegs freiwillig. Die Väter verkaufen ihre Töchter für eine Mitgift in Form von Kühen an meist viel ältere Männer. Durch diese Zwangsheirat sind die Mädchen der Laune der Ehemänner ausgesetzt, die noch weitere Frauen haben. In der Gruppe, mit der wir sprechen, zählt jede ihre Situation auf: der Ehemann einer von ihnen hat noch sechs weitere Frauen, ein anderer noch fünf weitere, einer noch drei weitere Ehefrauen. Keine Frau aus der Gruppe fühlt sich glücklich.

When we introduced ourselves, the women were very surprised, that Julia, aged 18, did neither have a husband nor a child. In their culture it is common to be married and have children as young teenagers. However, that does not at all happen voluntarily. The fathers sell their daughters for a dowry in the form of cows, usually to much older men. Through this forced marriage the girls are completely exposed to the mood of their husbands. In the group, which we are talking to, the women explain their situation: the husband of one of them has six more wives, another five and another three. None of the women feel content with their lives.

Während uns dieses Gesellschaftsbild bereits schockierte, erschrak uns eine weitere Tradition weitaus mehr: Die Genitalverstümmelung von Mädchen. Es gibt verschiedene Arten davon, die bis zum Zunähen der beschnittenen Vagina reichen. Bei den Maasai werden dem Mädchen im Alter von 4 bis 10 Jahren, auf brutale Art und Weise die Schamlippen und die Klitoris entfernt. Diese Tradition soll ihrem Glauben nach, die Reinheit der Frau sichern, doch entstehen dadurch schwerwiegende gesundheitliche Schäden.
Bereits bei der Beschneidung sterben zahlreiche Mädchen an Infektionen oder sie verbluten. Selbst wenn sie die Verstümmelung ihrer Genitalien überleben, nimmt ihr Leiden kein Ende. Beim Geschlechtsverkehr, zu dem ihre Männer sie zwingen, müssen sie aufgrund ihrer Narben und der daraus entstehenden Trockenheit ungeheure Schmerzen aushalten. Die Geburt eines Kindes ist ebenfalls ein großer Risikofaktor. Alte Narben reißen auf und das viele Blut erhöht die Gefahr einer HIV Übertragung auf das Baby. – Am Abend bekommen wir von Mackrine anhand eines anatomischen Modells eine Unterrichtsstunde über den tatsächlichen Eingriff in den jungen weiblichen Körper.

While this image of their society already shocked us, were even more alarmed by another tradition: female circumcision. There are different kinds of that practice, which lead up to sewing up the circumcised vagina. The girls of the Maasai get their clitoris and another part of their genitalia cut off brutally at the age of 4 to 10. In  their belief, this tradition secures the purity of a woman, however it leads to severe physical harms.
Already during the circumcision many girls die due to infections or blood loss. Even if they survive the mutilation of their genitalia, their suffering never ends. During coitus, which the men force their wives to, they have to endure unbelievable pain because of the scars and the therefore caused dryness. The birth of a child is another risk. Old scars are torn apart and the loads of blood cause a higher chance of HIV-transmission to the baby. In the evening Mackrine holds a lesson for us to explain the actual intervention into the female body.

Wie hilft nun HIMS den Frauen in ihrer Not? Die Organisation will die Maasai über die Folgen dieser grausamen Tradition und über Menschenrechte aufklären. ES wurde erreicht, dass sich Frauen und Männer aus als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zur Verfügung stellen, um die Aufklärung in vielen Dörfern zu erreichen. Letztendlich geht es um die vollkommene Änderung der Rolle der Frau: vom Subjekt, das als Eigentum des Mannes alles ertragen muss, hin zu einem gleichberechtigtem Menschen, mit Würde und Rechten.

So how does HIMS help these women in their terrible situation? The organisation wants to educate the Maasai about this gruesome tradition and human rights. They achieved, that women and men of every age group volunteered to be multiplicators in order to inform many other villages about the real facts. Eventually the main goal is changing the woman’s role: from the subject, having to endure everything as the property of the man, to an equal human, with dignity and rights.

Eines der Maasai-Dörfer haben nach diesem Gespräch besuchen dürfen. Gemeinsam mit ihrem Vieh, ohne Wasser und Strom, leben die Maasai in sehr einfachen von den Frauen errichteten Lehmhütten.

After our talk we were allowed to visit one of the Maasai villages. Together with their cattle, but without water or electricity, the Maasai live in very simple huts out of clay, which are built by the women.

Nach all diesen Eindrücken waren wir sehr beeindruckt von der Stärke der Maasai-Frauen, die nicht nur ihr schwieriges Leben meistern, sondern auch noch für ein besseres Leben der nächsten Generationen kämpfen.

After all those impressions we admired the strength of the Maasai women, who do not only handle their own difficult lives, but also fight for a better life for the next generations.




















Montag, dritter Tag, 31. Juli 2017



Montag, dritter Tag, 31. Juli 2017

Nach dem ausgiebigen Frühstück, von den Schwestern immer liebevoll vorbereitet, gehen wir zu einem offiziellem Punkt unserer Reise über: Wir besuchen die Direktorin der Primary School, Sr. Janina. Wir überreichen die Spenden und Gastgeschenke: Von der Sternsingeraktion unserer Gemeinde Neufünfhaus können wir € 7.000, von der ‚Stiftung Jugend fördern-Grenzen überspringen‘ € 10.000 und von der Pfarre Uno-City  € 4.000 übergeben. Zwei Koffer haben wir mit Kreide und Stiften angefüllt. Wir alle danken Gott, dass jede und jeder von uns, das beitragen kann, was er oder sie hat. Wir spüren, dass wir alle Gebende und Empfangende sind.

After the wonderful breakfast, always kindly prepared by the sisters, we continue to an official issue of our journey: We visit the headmaster of the primary school, Sister Janina. We hand over our donations and presents: From the “Sternsingeraktion” of our parish Neufünfhaus we give 7,000 €, from the foundation “Jugend fördern-Grenzen überspringen” 10,000 € and from the parish Uno-City 4,000 €. We also filled two suitcases with chalk and colour pencils.
We all thank god, that every one of us can contribute what they have. We feel, that we are all giving and receiving.

Es folgt ein Schulrundgang und wir stellen uns den einzelnen Klassen vor. Einige begrüßen uns mit einem Lied, andere wollen sofort unsere Namen wissen. Eine Klasse betet mit uns und wir singen ihnen das Segenslied: „Möge die Straße uns zusammenführen“. Es war faszinierend, zu sehen, welche wichtige Rolle Musik in ihrem Alltag und Schulleben spielt. Vor allem von jüngeren Kindern werden wir stürmisch empfangen und umarmt. Alle wollen mehr über unser Leben erfahren; die Kinder erzählen uns von ihrem Träumen für ihre Zukunft. Von ganzem Herzen wünschen wir ihnen, dass diese in Erfüllung gehen.

Later on we take a look around the school and introduce ourselves in each class. Some greet us with a song, others immediately want to know our names. One class prays with us and we sing the blessing “may the road rise to meet you”.
It was fascinating to see, what role music plays in their school and daily lives. Especially the younger children greeted us excitedly and gave us a hug. Everyone wants to know more about our life. The children tell us about their dreams for the future. From the bootom of our hearts we wish them, that they will come true.

Am Nachmittag fahren wir zum Geburtsort von Sr. Betty. Wir beten am Grab ihres Vaters und treffen einen Teil der Familie. Dann geht’s weiter zum „Lake Chala“, den Betty als Kind so oft besucht hat. Der See entstand aus einem Vulkankrater, seine malerische Umgebung prägt sich uns tief ein. Durch den See geht die Landesgrenze zu Kenia.

In the afternoon we drive to the place of birth of Sister Betty. We pray together at her father’s grave and meet part of her family. Then we continue to Lake Chala, which Betty often visited in her childhood. The lake developed out of the crater of a vulcano, the beautiful scenery is very impressive.
Through the lake the border to Kenya is drawn.






















Sonntag, zweiter Tag, 30. Juli 2017



Sonntag, zweiter Tag, 30. Juli 2017

Zusammen mit den Schwestern werden wir frühmorgens zur nahen Pfarrkirche von Holili fahren, wo um 7 Uhr der erste Gottesdienst stattfindet. Schwester Betty hat uns schon vorgewarnt, dass wir uns wärmer anziehen sollen, und als wir die „Kirche“ sehen, verstehen wir auch den Grund dafür: Die Kirche steht nur im Rohbau und durch die offenen Seitenwände pfeift der Wind. Die Frauen haben ihre farbenfrohen Festtagsgewänder angezogen, der Kirchenchor sitzt im strahlend weißen Hemden in den ersten Reihen. Man sitzt auf einfachen Bänken, im Altarraum und den vorderern Reihen unter einem provisorischen Wellblechdach, weiterhinten unter freiem Himmel. Uns beeindruckt vor allem der fröhliche Gesang, zu dem die gesamte Gemeinde klatscht und tanzt.

Together with the sisters we get an early morning ride to the nearby church of Holili where the first mass starts at 7 am. Sr Betty gave us a pre-warning to wear warm clothes at as we saw the “church” we understood why: the church is under construction and a chilly wind blows through the open side walls. Women are dressed up with their colorful Sunday dresses and the church choir is sitting in white shirts in the front rows. Everyone is sitting on simple benches under a temporary roof or under the open air. We are impressed by the joyful singing rhythm and dancing.

Nach der Messe werden wir als „Visitors“, Besucher aus Österreich und Deutschland nach vorne gebeten, wo wir uns kurz vorstellen. Für den Abend lädt uns der Pfarrer zum Essen in sein Pfarrhaus ein. Für uns sehr ungewöhnlich beginnt er nach dem Essen mit Tanzen. Das gehört einfach beim afrikanischen Zusammensein dazu. Am Ende freut er sich, dass wir ihm den „Wiener Walzer“ beibringen.

After the mass the visitors from Austria and Germany are welcomed and we introduce ourselves to the church community. The parish priest invites us for dinner in his parish house. Very unusual for us he starts to dance after dinner. This is part of being together in Africa. Finally he enjoys that we teach him the “Wiener Walzer”.

Am Nachmittag wandern wir in Begleitung von Sr. Felicitas über staubige Pfade zur Secondary School, die ebenfalls von den St. Josefschwestern geleitet wird. Kaum durchschreiten wir das Tor der Schule, sind wir in einer anderen Welt: angelegte Wege, gepflegte Beete, alles ist gekehrt, sauber und ordentlich.

Die Leiter der Schule, Sr. ... führt uns über das Gelände der Schule und berichtet von der Entwicklung der Schule: 2013 gegründet und gebaut, zur Zeit besuchen ca. 300 Schülerinnen und Schüler die Klassen 8 bis 12. Auch spielt die Selbstversorgung eine große Rolle; ein Neubau für Schlafsäle ist im Gange. Sie erwähnt aber auch die Schwierigkeiten, Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Bis jetzt gibt es nur ein provisorisches Labor für die naturwissenschaftlichen Fächer. Wir treffen die die Schülerinnen und Schüler in einem Zelt (noch ist keine Schulhalle vorhanden), in dem sie sich nach der Messe versammelt haben. Wir stellen uns den Schülern vor.

Sehr beeindruckt hat uns die Sprecherin: „Seid willkommen. Zuerst danken wir Gott, dass eure Reise gut verlaufen ist, wir danken, dass ihr euch auf den Weg gemacht habt, uns zu besuchen. Bestimmt gibt es viele Unterschiede zwischen Europa und uns in Tansania. Wir Schülerinnen und Schüler wollen mit Ehrgeiz lernen, um unser Land zu verändern. Dabei glauben wir fest an Gott, der uns schon so viel gegeben hat.“

Anschließend besichtigen wir die Schlafsäle. Ca. 80 Mädchen in einem Saal, drei Stockbetten, rosa Bettlacken und sonst nichts! Es gibt noch keine Schränke, darum ist alles im Koffer verstaut, die auf dem Boden stehen. Da denken wir an unsere Schlafzimmer ... Jene Schülerinnen, die Verantwortung für die Schlafsäle tragen, berichten uns in ausgezeichnetem English über die Schule und ihre eigenen Zukunfstpläne. Sie möchten werden: Ärztin, Anwälte, Ingenieure, und sogar Priester.

Ca. 80 Schülerinnen und Schüler kommen aus dem 450 km entferntem Dar es Salaam und können ihre Familien nur in den Schulferien sehen.